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Gesetzlich festgelegte Einstufung von Gefahrstoffen

Einstufung nach § 3 Nr. 6 ChemG ist die Zuordnung zu einem Gefährlichkeitsmerkmal. Die Voraussetzungen und Regeln zur Einstufung von Gefahrstoffen werden im GHS-System und, im europäischen Raum, in der CLP-Verordnung festgehalten. Letztere enthält 28 Gefahrenklassen, die in entsprechende Gefahrenkategorien unterteilt sind. Anhang VI der CLP-Verordnung (früher Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG) listet knapp 4.000 Stoffe mit ihrer rechtlich verbindlichen Einstufung und Kennzeichnung auf. Darin sind oft spezifische Konzentrationsgrenzen (früher Konzentrationsreihen genannt) enthalten, die anstelle der in den Einstufungstabellen enthaltenen Prozentanteile anzuwenden sind. Die Einstufung von Gefahrstoffen ist verbindlich und verfolgt den Zweck, Gefahren, die von einem Stoff oder einem Gemisch ausgehen, zu ermitteln bzw. zu definieren. Auf den Ergebnissen einer korrekten Einstufung basiert die nachfolgende Kennzeichnung der Gefahrstoffe. Hier kommen standardisierte Kennzeichnungselemente wie Gefahrenpiktogramme, Signalwörter, Gefahrenhinweise und Sicherheitshinweise zum Tragen.

Stoffe und Gemische – Unterschiede bei der Einstufung

Die in der GHS aufgeführten Definitionen von Stoff und Gemisch decken sich weitgehend mit denen, die in der CLP-Verordnung enthalten sind. Die Gegenüberstellung der beiden Begriffe ist wichtig für die Gefahrermittlung und die Einstufung von Gefahrstoffen. Die Gruppe der Stoffe umfasst chemische Elemente und Verbindungen unter Berücksichtigung ihrer Struktur, Entstehung und Zusammensetzung. Dazu zählen Stoffe mit Verunreinigungen, Beimengungen aber auch komplexe Stoffe. Ein Gemisch wiederum besteht aus zwei oder mehr Stoffen. Informationen, die für die Einstufung von Stoffen nützlich sind, werden in Inventaren und entsprechenden Listen gepflegt. Einige Kriterien wie z.B. Gewässergefährdung sind dabei nur für die Einstufung von Stoffen relevant. Für beides, Stoffe und Gemische muss zudem festgestellt werden, ob diese unter normalen Bedingungen bei der Lagerung bzw. beim Transport stabil oder instabil bleiben. Gemäß der REACH-Verordnung müssen diese Informationen in Sicherheitsdatenblättern angegeben werden.

Allgemeine Vorgehensweise bei der Einstufung von Gefahrstoffen

Bei der Einstufung von Stoffen und Gemischen können bereits vorhandene Testdaten verwendet werden. Liegen diese nicht vor, so ist eine Expertenbeurteilung sinnvoll. Ebenfalls verwendet werden können so genannte Übertragungsgrundsätze (bridging principles). Nach der Gefahrstoffverordnung werden Stoffe oder Gemische grundsätzlich dann als gefährlich eingestuft, wenn mindestens eines der folgenden Gefährlichkeitsmerkmale zutreffend ist:

  1. Explosionsgefährlich
  2. Brandfördernd
  3. Hochentzündlich
  4. Leichtentzündlich
  5. Entzündlich
  6. Sehr giftig
  7. Giftig
  8. Gesundheitsschädlich
  9. Ätzend
  10. Reizend
  11. Sensibilisierend
  12. Krebserzeugend (karzinogen)
  13. Fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch)

Eigenverantwortlich oder mithilfe von Listen? Wege, Stoffe und Gemische einzustufen

Bei der Einstufung von Gefahrstoffen können Sie eine Selbsteinstufung vornehmen, in dem Sie eigenverantwortlich die zur Verfügung stehenden Informationen ermitteln und beurteilen. Für einige Stoffe jedoch existieren bindende Einstufungslisten. Beispielsweise sind die im Anhang VI der CLP-Verordnung enthaltenen Stoffeinstufungen und Gefahren für  alle europäischen Länder verbindlich. Eine Selbsteinstufung wäre in diesem Fall nicht möglich. Gleichzeitig jedoch erheben die Listen keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da entweder gelistete Substanzen vom Markt genommen wurden oder, umgekehrt, häufig vertriebene Chemikalien nicht in den Listungen auftauchen. Qualisys pflegt die gegebenfalls fehlenden Informationen für Sie ein, und liefert damit eine nützliche, weil arbeitserleichternde Datenbank für Ihre Software.

Festlegung von M-Faktoren

Seit CLP in Kraft trat, kommen Multiplikationsfaktoren (M-Faktoren) für Einstufungsgrenzen bei Umweltgefahren hinzu. Ohne diese Daten kann folglich keine Software korrekt einstufen. Mithilfe der M-Faktoren werden akut und/oder chronisch gewässergefährdende Stoffe eingestuft. Gemäß dieser Unterteilung gelten für einige Stoffe zwei M-Faktoren gleichzeitig. Dabei wird die Konzentration der kritischen Bestandteile stärker gewichtet. Ist im Anhang VI der CLP-Verordnung kein passender M-Faktor aufgelistet, muss dieser vom Hersteller selbst festgelegt werden.