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GHS: Rahmen für internationales Gefahrstoffrecht

Mit dem „Globally Harmonized System“ (GHS) gibt es seit einigen Jahren einen internationalen Rahmen für das Gefahrstoffrecht, der Missverständnisse vermeidet: Die wesentlichen Begriffe sind hier definiert, und alle relevanten Länder verwenden bereits GHS oder stellen ihr Recht absehbar auf GHS um. Dennoch ist damit das Gefahrstoffrecht nicht identisch, manchmal noch nicht einmal vergleichbar:

  • Jedes Land darf festlegen, welche Teile von GHS (sogenannte „Building Blocks“) es übernimmt und welche nicht.
  • Innerhalb der Building Blocks dürfen bestimmte Einschränkungen vorgenommen werden, z.B. der Entfall der Einstufungskategorie Acute Tox. 5 in vielen Ländern.
  • GHS wird alle zwei Jahre überarbeitet, jedoch nicht von allen Ländern gleich schnell adaptiert. Es sind also derzeit verschiedene GHS-Revisionen in verschiedenen Ländern gültig.
  • Gesetzlich festgelegte Einstufungen und Arbeitsplatzgrenzwerte unterscheiden sich nach wie vor stark, ebenso wie das weitergehende nationale Recht.

Ausnahmeregeln und Hindernisse bei der Harmoniesierung durch GHS

Inzwischen verwenden alle beteiligten Staaten GHS oder stellen ihr Recht absehbar auf GHS um. Da jedoch eine 100 prozentige Umsetzung der Verordnung nicht realisierbar ist und Kompromisse auf internationaler Ebene getroffen werden müssen, umfasst GHS das so genannte „Building Block Approach“, welches es den Ländern ermöglicht, bestimmte Elemente des UN-Basisdokuments nicht in nationales Recht umzusetzen. Innerhalb der Building Blocks dürfen zudem bestimmte Einschränkungen vorgenommen werden, so beispielsweise der Entfall der Einstufungskategorie Acute Tox. 5 in vielen Ländern. Als weitere Ausnahmeregel im Bereich der GHS Verordnung kommen so genannte „Left Overs“ hinzu, wonach die Staaten alte Bestimmungen beibehalten dürfen, sofern diese nicht vom UN-Basisdokument abgedeckt werden. Beides wurde von der EU in Anspruch genommen. Deshalb auch ist das Gefahrstoffrecht nicht länderübergreifend identisch, manchmal noch nicht einmal vergleichbar.

GHS und das Problem der häufigen Aktualisierungen

GHS ist eine UN-Empfehlung, die von den beteiligten Staaten verbindlich eingeführt werden muss. Problematisch für die Umsetzung der beabsichtigten Harmonisierung ist die Überarbeitung der Verordnung, die alle zwei Jahre geschieht, jedoch nicht von allen Ländern gleich schnell adaptiert wird. Deshalb sind derzeit verschiedene GHS Revisionen in verschiedenen Ländern gültig, wodurch differierende Regeln bei der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern weltweit existieren. Die regelmäßigen Änderungen im Bereich des GHS haben zudem viele weitere betriebliche Auswirkungen, so beispielsweise im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen, Gefahrstoffverzeichnisse, Betriebsanweisungen oder Lagerungsmöglichkeiten.

Transport nach IMDG (Seeschiff) und IATA-DGR (Luft)

Um weltweit ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu schaffen, müssen gefährliche Güter mit besonderer Vorsicht transportiert werden. Zwar sind das Gefahrstoffrecht für die Handhabung bzw. Lagerung und das Gefahrgutrecht für den Transport getrennte Rechtsbereiche, sie gleichen sich aber zunehmend an. Für die Beförderung im Seeverkehr und für die Behandlung und Stauung der Ladung enthält der „International Maritime Code for Dangerous Goods“ (IMDG) international verbindliche Vorgaben. Diese werden im zweijährigen Turnus angepasst. Immer in ungeraden Jahren tritt eine Aktualisierung in Kraft. Transporte in Passagier- und Frachtflugzeugen hingegen unterliegen den IATA-DGR, die jährlich aktualisiert werden. Binnentransporte mit Schiffen, Lastwagen oder Bahn sind national geregelt.

GHS - mehr Infos in unserem Lexikon

Weil immer wieder Fragen auftauchen, die im Zusammenhang mit der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern, Gefahrstoff- bzw. Gefahrguteinstufung, Arbeitsschutz und Qualitätsmanagement stehen, pflegte Qualisys bisher mit „QM-Griffbereit“ ein eigenes, kostenlos verfügbares Lexikon. Dieses können Sie auch direkt als PDF-Datei herunterladen. Dessen Inhalte werden zukünftig in neue Informationsangebote übernommen.