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Sicherheitsdatenblätter nach ANSI Z.400-1

Jeder Hersteller oder Inverkehrbringer von gefährlichen Stoffen und Gemischen steht in der Pflicht, Sicherheitsdatenblätter unaufgefordert sowie kostenlos zur Verfügung zu stellen, und in diesen vor Restrisiken zu warnen. Während in Europa die in regelmäßigen Abständen aktualisierte REACH-Verordnung die wichtigsten normativen Vorgaben zur Gestaltung von Sicherheitshinweisen bzw. Sicherheitsdatenblättern macht, gilt in den vier handelsstärksten Ländern Nord- und Südamerikas ein jeweils eigenes Gefahrstoffrecht:

  • USA: 29 CFR 1910.1200 (OSHA HazCom 2012)
  • Kanada: WHMIS/HPA
  • Mexiko: NOM-018-STPS-2015
  • Brasilien: NBR 14725: 2014

Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie im Vergleich zum europäischen REACH weit weniger exakte Formate vorschreiben. Ein gemeinsamer Nenner für ein amerikanisches Sicherheitsdatenblatt-Format ist der ANSI-Standard Z400.1, dessen Inhalte wie in Europa an die nationalen Vorschriften angepasst werden müssen.

Was ist ANSI Z.400-1?

Die Abkürzung „ANSI“ steht für das „American National Standards Institute“, als der US-amerikanischen Stelle zur Normung industrieller Verfahrensweisen. Die deutsche Entsprechung ist das Deutsche Institut für Normung (DIN). In beiden Fällen wird die Abkürzung der Organisation, der Norm-gebenden Stelle, auch – gemeinsam mit einer Ziffernfolge – als Bezeichnung einer Norm verwendet. ANSI Z.400-1 bezieht sich auf die Erstellung von Sicherheitsdatenblättern und Etiketten für gefährliche Chemikalien. Es beinhaltet elementare Informationen zur Gestaltung dieser Dokumente für internationalen Gebrauch. Das erklärte Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie zu erhöhen.

MSDS oder SDS?

Derzeit werden für amerikanische Sicherheitsdatenblätter sowohl der Begriff „Material Safety Data Sheet" (MSDS) als auch „Safety Data Sheet" (SDS) angewendet. Warum? Die bisherige ANSI-Norm und die zugrunde liegenden Gesetze verwendeten „MSDS“. Mit der Adaption von GHS auf die nationalen Vorschriften wird jedoch auf den dort verwendeten Begriff „SDS“ umgestellt. In der jüngsten Fassung der ANSI Z400.1 aus dem Jahr 2010 ist diese Umstellung bereits vollzogen.

Regulatorische Grenzen von ANSI Z400.1

Für einige chemische Produkte kommen in den USA besondere anwendungsspezifische gesetzliche sowie regulatorische Anforderungen zum Tragen, die nicht durch das dort geltende Gefahrstoffrecht OSHA HCS abgedeckt werden. Daraus können abweichende Anforderungen bei der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern resultieren. Insgesamt gibt es:


• Konsumentenprodukte, die durch die „Federal Hazardous Substances Act“ (FHSA) reguliert werden.

• Medizinische Produkte, für die „Federal Food, Drug and Cosmetic Act“ (FFDCA) zuständig sind.

• Pestizide, mit denen sich „Federal Insecticide, Fungicide and Rodenticide Act“ (FIFRA) beschäftigt.

• Transportmaterialien, deren Überwachung dem „Department of Transportation (DOT) Hazardous Materials Regulations“ obliegt.

• Laborchemikalien, die mit 29 CFR 1910.1450, „OSHA Laboratory Standard“ reguliert werden.


Ein veranschaulichendes Beispiel für regulatorische Grenzen von ANSI Z400.1 sind Pharmaunternehmen, die Aspirin herstellen. Im Hinblick auf die Verbraucher sind diese nicht verpflichtet, ein Sicherheitsdatenblatt zur Verfügung stellen. In diesem Fall ist die Food and Drugs Admistration (FDA) die zuständige Behörde. Andere Vorschriften gelten für den Herstellungsprozess. Da hier Menschen mit dem Aspirin-Pulver während der Produktion in Berührung kommen können, sind die Unternehmen verpflichtet, entsprechende Sicherheitsdatenblätter anzubieten.