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International konsistentes Gefahrstoffmanagement – Möglichkeiten und Grenzen

Der Einsatz und Transport von Chemikalien sind wichtige wirtschaftliche Aspekte. Von ebenso großer Bedeutung ist ein gut funktionierendes Gefahrstoffmanagement in importierenden und exportierenden Unternehmen. Denn, nur durch einen einwandfreien Informationsfluss lassen sich die von Gefahrstoffen ausgehenden Risiken und Gefahren minimieren. Ein optimiertes Gefahrstoffmanagement hilft Unternehmen zudem, ihre Strukturen zu erweitern und auszubauen. Als Teil des Welthandels und wirtschaftlich brisantes Thema ist Gefahrstoffmanagement längst zu einem Politikum avanciert. Mit den EU-Verordnungen REACH und CLP wurden Maßnahmen ins Leben gerufen, die bestehende Strukturen und Pflichten bei der Kennzeichnung von Gefahrstoffen vereinheitlichen sollen. Auf weltweiter Ebene wird ein international konsistentes Gefahrstoffmanagement mit der GHS-Verordnung angestrebt.

Probleme durch GHS

Ziel der GHS-Verordnung ist in erster Linie die Vereinheitlichung des weltweiten Gefahrstoffrechts. Aufgrund der häufigen Aktualisierungen und Anpassungen ist jedoch das Gegenteil der Fall. Problematisch ist außerdem der modulare Ansatz bei der Implementierung des GHS in nationales Recht. Demnach müssen nicht alle Module übernommen werden. Staaten haben zudem die Möglichkeit, ihre eigenen gültigen nationalen Regelungen zu berücksichtigen (left-overs). Allerdings sind die impleentierten Bausteine 1:1 zu übernehmen und dürfen nicht im Widerspruch zum GHS-Standard stehen. Dennoch gelten auf allen Kontinenten unterschiedliche Vorschriften im Umgang mit Gefahrstoffen weiterhin. Auch von Land zu Land können gravierende Abweichungen bestehen.

Englische SDB weltweit?

Auf internationaler Ebene fungiert die englische Sprache weiterhin als eine der wichtigsten Wirtschaftssprachen. Dass ihr Einsatz zur angestrebten Vereinheitlichung im Bereich des Gefahrstoffrechts beitragen könnte, wird irrtümlicherweise bei der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern (SDB) angenommen. In der Praxis stößt Englisch bereits in der EU an seine Grenzen, da Sicherheitsdatenblätter gemäß der REACH/CLP-Verordnungen in der jeweiligen Landessprache verfasst werden müssen. Fazit: In englischer Sprache verfasste SDB entsprechen nicht den länderspezifischen Anforderungen und sind höchstens für Prüfungszwecke geeignet.

Länderspezifisches Gefahrstoffmanagement – Beispiel Großbritannien und USA

Frappierende inhaltliche und formale Unterschiede bei der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern fallen bereits im englischsprachigen Raum auf. Bei der Gegenüberstellung von Richtlinien, die für Großbritannien und die USA gelten, fallen unterschiedliche Anforderungen an das SDB Format auf. Während in Großbritannien Sicherheitsdatenblätter nach REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, unter Berücksichtigung des Anhangs der Verordnung (EU) Nr. 2015/830 zu erstellen sind, wird in den USA der ANSI-Standard Z400.1 angewendet. Daraus ergeben sich in Summe unterschiedliche Einstufungsgrenzen für Gemische und länderspezifische zusätzliche Gefahrendefinitionen (Kennzeichnung). Beides ist mit mehr Aufwand bei der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern verbunden, da eventuell unterschiedliche Einstufungen und getrennte Datensätze zum Tragen kommen.

Gefahrstoffmanagement interkontinental

Der Stand der Umsetzung von GHS ist weltweit unterschiedlich. Vor allem Übersee sind die Unterschiede im Bereich des Gefahrstoffmanagements besonders spürbar. In den USA beispielsweise gilt OSHA HazCom 2012, in Kanada WHMIS/HPA, in Mexiko NOM-018-STPS-2015 und in Brasilien NBR 14725:2014. Die Inhalte der SDB müssen an die nationalen Vorschriften angepasst werden. Allen gemeinsam ist, dass sie im Vergleich zum europäischen REACH weit weniger exakte Formate vorschreiben. Besonders schleppend verläuft die GHS-Implementierung im Raum Asien-Pazifik.Deutlich werden hier vor allem unterschiedliche Revisionen von GHS, variierende Einstufungsgrenzen für Gemische, länderspezifische zusätzliche Kennzeichnungen und Vorschriften aber auch abweichende Arbeitsplatzgrenzwerte und Normen für Schutzausrüstung.

Fazit – Sind weltweit gleiche Einstufungen überhaupt möglich?

Durch die bestehenden Bedingungen bleibt ein international konsistentes Gefahrstoffmanagement noch Zukunftsmusik. Zwar ist die durch GHS vorgeschriebene Umsetzung der Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien noch nicht weit fortgeschritten. Entsprechende Vorkehrungen im Bereich des Transports gefährlicher Güter sind dagegen ein erster spürbarer Erfolg und ebnen den Weg für die angestrebte weltweite Vereinheitlichung der Vorschriften.